Stärkung im Alltag

Vor rund fünfeinhalb Jahren stand ich vor der Herausforderung meine Enkelin bei mir aufzunehmen. Nach den ersten Monaten der Eingewöhnung stand für mich fest, dass meine Enkelin mehr braucht, als ein stabiles Zuhause. Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, wie sie in Kontakt mit Pferden kommen kann, weil ich gehört hatte, dass der Umgang mit den Tieren helfen kann, das Selbstbewusstsein zu stärken.

Ich erinnerte mich daran, dass es in Bruchhausen einen kleinen Reiterverein gibt. Also machte ich mich auf den Weg. Würde es möglich sein hier Unterstützung zu finden? Würde ich mir das leisten können?

All meine Bedenken wurden schon beim ersten Gespräch ausgeräumt. Ganz unkompliziert wurde schon für die nächste Woche ein Termin vereinbart. Schnell war klar, auch ich würde versuchen meinen Kindheitstraum vom Reiten wahr zu machen. So hatte ich die Möglichkeit, gemeinsam mit meiner Enkelin ein Hobby auszuüben.

Mit der Zeit lernten wir viel mehr als Reiten, der selbständige Umgang mit den Pferden, satteln und trensen und Freundschaften.

Für mich war und ist es aber auch der enge Kontakt zu Pferden beim Putzen – am Anfang hatte ich schon mal weiche Knie, so nah alleine in der Box bei den Pferden -, aber wenn ich es brauchte, war immer Hilfe zur Stelle, nie wird man alleine gelassen, wenn man Unterstützung braucht. Bis heute ist das so. Wenn ich heute Betty putze, dann vergesse ich alle meine Alterssorgen, ich werde ganz ruhig und entspanne mich, wir lehnen uns an einander an. Ich genieße das Gefühl der Wärme und auch, dass ich gelernt habe, mit dem Pony alleine umgehen zu können. Das stärkt mich auch im Alltag.

Es spielte nie eine Rolle, wie alt ich war oder dass ich mit meiner Enkelin vor großen Herausforderungen stand, die wir auch mit in den Verein brachten. Alle hatten immer Geduld, ein offenes Ohr und ein Gespür dafür, dass es an manchen Tagen mehr als nur Reitunterricht brauchte.

Seit ein paar Monaten nehme ich auch meine Stieftochter (36) zum Reiten mit. Sie ist geistig behindert, sie wird hier aufgenommen, wie jeder andere auch und das spürt sie, sie ist – trotz ihrer Angst vor Höhe und den großen Tieren - mit ganzer Leidenschaft dabei. Es wird darauf geachtet, dass alles in ihrem Tempo geschieht und die Herzlichkeit der Menschen lässt sie vergessen, dass sie Angst hat und unsicher ist. Ich bin mir sicher, dass auch sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten in ein paar Jahren selbstständig mit den Pferden umgehen und reiten kann und das auch ihr dies viel Kraft und Ruhe für ihr Leben geben wird.

Darauf freue ich mich sehr!

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